Rückfall - Was ist das?

#18 Rückfall: Was ist das eigentlich?

Herzlich Willkommen zur 18. Episode Sucht&Ordnung. Ich habe diese Woche mit meiner Therapie gestartet, mit einem Einzel- und einem Gruppengespräch und möchte Euch davon berichten. Die heutige Folge dreht sich um den Rückfall bzw. die Rückfälle.

Empfehlungen

Vorab möchte ich Euch mal wieder ein paar Dinge empfehlen. RushSleepCrackRepeat und der Typ vom Viertelkollektiv haben eine interessante Episode gemacht über das Thema Drogenkonsum in Verbindung mit dem Elterndasein. Ich habe mir darüber nie Gedanken gemacht, da ich kein Vater bin aber das Thema hat mich sehr geflashed. Dann habe ich mir den Film Fear and Loathing in Las Vegas das erste Mal nüchtern angeguckt und habe den diesmal ganz anders wahrgenommen. Damals habe ich diesen Film gefeiert, diesmal taten mir die beiden Hauptakteure eher Leid. Habt ihr den Film schon mal nüchtern geguckt? War es anders als auf Drogen?

Wie schon erwähnt, war ich in dieser Woche das erste Mal bei einem Gruppengespräch mit anderen Menschen die auch Suchtprobleme haben. Ich war ein bisschen aufgeregt, denn alles war ja ganz neu für mich. Rückfälle waren das Thema der Sitzung. Im September habe ich beschlossen aufzuhören, seitdem bin ich zweimal einen Rückfall gehabt.

Was ist ein Rückfall?

Man sagt ja, eine Suchterkrankung ist eine Zwangsstörung oder eine Störung der Willenskraft. Es ist kein Rückfall wenn man eine kurze Konsumpause einlegt. Sondern wenn eine Zeit lang clean ist und eigentlich nicht konsumieren möchte, aber nicht willensstark genug ist dem Verlangen zu widerstehen.

Es gibt bewusste Rückfälle und unbewusste Rückfälle. Als Beispiel, Silvester oder mein Junggesellenabschied sind Tage wo ich mir eigentlich vornehmen könnte bzw. ein Hintertürchen für einen Rückfall öffnen könnte. Das wären dann geplante bewusste Rückfälle. Dann gibt es noch Situationen die man nicht bzw. schwer händeln kann. Wenn ich z.B. einen Kumpel besuchen würde ohne die Absicht zu konsumieren, und er hätte dann aber Koks dort liegen und ich würde rückfällig werden dann wäre das ein ungeplanter unbewusster Rückfall.

Verharmlosung

Einmal ist kein Mal. Auch eine bekannte und weit verbreitete Denkweise wenn man schon eine Zeit lang abstinent war. Viele denken sich dann irgendwann, ich habe schon so lange durchgehalten also ist es ja nicht so schlimm wenn ich heute mal was zu mir nehme. Eine kleine Line, ein kleiner Joint oder ein kleines Schnäpschen. Aber das ist natürlich ein Rückfall und schneller als gedacht kommt man zurück in den Kreislauf in dem man nicht sein möchte. Ich denke aktuell auch ich habe meine Sucht im Griff, aber weiß natürlich auch, dass dies trügerische Gedanken sind.

Viele die sich Hilfe wegen ihrer Sucht holen, kriegen auch irgendwann die Gedanken wenn sie es eine Zeit lang ohne ausgehalten haben, ich bin ja doch gar nicht süchtig. Das ist auch ein ganz normales Verhaltensmuster von Süchtigen. Oder wenn bestimmte Situationen eintreten die man sonst nur mit einer Substanz bewältigt hat, kommen auch schnell die Gedanken an den Konsum zurück.

Trigger

Jeder hat seine eigenen Gründe oder Triggerpunkte, die einen an seine Sucht denken lassen. Z.B. zu viel Arbeit, zu viel Stress auf Arbeit, sich nicht verstanden fühlen, Einsamkeit, jemanden enttäuscht zu haben oder depressive Gefühle. Diese Gefühle wird man immer wieder haben im Leben und da muss man natürlich einen anderen Weg finden diese Situationen zu verarbeiten. Kommunikation und Selbstreflexion sind da zwei ganz wichtige Punkte. Des Weiteren ist für bis zu 75% der Rückfälle Craving verantwortlich. Da reicht es schon einen Kumpel zu sehen mit dem man sonst immer geballert hat wenn man ihn sonst getroffen hat.

Das Suchtgedächtnis vergisst nie. Wenn man sich immer wieder Situationen aussetzt die dazu führen das man an den Konsum denken muss, füttert man seinen Teufel in sich. Umso öfter man rückfällig wird, umso schwerer wird es davon weg zu kommen. Ist man einmal rückfällig geworden, kommt es auch häufig dazu, dass man sich selbst demoralisiert. Dass man sich sagt, dass man eh viel zu schwach ist und die Droge viel zu mächtig. Gedanken wie – es ist doch eh alles egal usw. kommen dann zum Vorschein.

Wie vermeide ich Rückfälle?

Das weiß ich natürlich selbst noch nicht genau da ich mitten drin stecke diese zu vermeiden. Aber Kontakt zu Konsumbekanntschaften zu reduzieren oder alle Nummern von Dealern zu löschen, sind definitiv Möglichkeiten. Alle Hintertürchen schließen ist auch ein wichtiger Aspekt. Denn in schwachen Momenten muss es so schwer wie möglich sein an sein Suchtmittel zu kommen.

Vorläufer von Rückfällen sind oft Einsamkeit, Streit, Stress, Enttäuschung, unangenehme Situationen oder auch Langeweile. Man sollte am besten immer gucken das der Geist beschäftigt ist. Auch Gedanken daran wie es nur wäre jetzt eine Linie zu ziehen, starten direkt die Ausschüttung von Glücksgefühlen. Das ist wie als wenn man an Essen denkt worauf man sich freut.

In der Therapie wurde gesagt, dass Rückfälle viel mit Willensschwäche zu tun haben. Da bin ich mir nicht so sicher, denn in meinem übrigen Leben bin ich sehr willensstark. Mich würde interessieren wie ihr das seht? Schreibt mir da gerne auf Instagram denn ich bin interessiert an Eurer Meinung dazu.

Wie gehe ich am besten mit Rückfällen um?

Ganz wichtig, verurteile dich nicht. Analysiere den Rückfall – wo hat der Rückfall begonnen? Wie kannst du solche Situationen zukünftig vermeiden bzw. wenn du sie nicht vermeiden kannst, wie kannst du neue Verhaltensmuster erlernen um künftig besser damit umzugehen. An dieser Stelle auch noch mal vielen Dank für eure Unterstützung bei meinen damaligen Rückfällen. Ich dachte da auch, dass ich das nie packe aber eure Texte und Worte haben mir sehr geholfen.

Die wichtigste Entscheidung ist, wenn man von etwas wegkommen möchte, dass man es wirklich will. Nicht einfach nur sagt, ich möchte gerade nicht oder es tut mir gerade nicht gut. Wenn man fest entschlossen ist Aufzuhören, wird man vielleicht manchmal stolpern, aber man wird es schaffen. Man muss dies auch nicht alleine schaffen, es gibt Ärzte, Suchteinrichtungen und Freunde die einem dabei helfen. Zum Ende der Episode hört ihr noch Storys von Leuten die einen Rückfall erlebt haben. Das war es für heute von mir. Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit und bis zum nächsten Mal.

Beste Grüße, Roman

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