zocken - episode 4

#4 Zocken – Drugtalk mit Franky

Herzlich Willkommen zur 4. Folge von Sucht&Ordnung. Heute beschäftigen wir uns mit dem Thema Zocken bzw. Spielsucht. Zu Gast ist mein Freund und ehemaliger Arbeitskollege Franky (hier gehts zu seim Instagram). Wir haben zusammen für eine Fotoagentur gearbeitet. Wie ich schon mal erwähnte, ist die Kreativ-Branche meiner Erfahrung nach eine in der es viele affine Leute gibt, egal ob für Drogen oder andere Süchte. Franky ist 32 Jahre alt und Fotograf.

Bist du spielsüchtig?

Laut einer Sucht-Therapeutin bin ich nicht als spielsüchtig eingestuft worden. Es handelte sich nur um sehr groben Missbrauch. Ich empfinde dass schon als sehr große Probleme mit dem Zocken und würde mich selbst als spielsüchtig bezeichnen.

Welche Spiele spielst du?

Alles hat zwischen 22-25 Jahren angefangen mit Onlinepoker. Ich habe jeden Tag viele Stunden damit verbracht zu pokern. Nur dadurch habe ich „Karriere“ 30.000€ plus gemacht bis ich und meine Poker-Crew irgendwann bei dem größten Online-Anbieter Pokerstars gesperrt worden sind. Daraufhin hab ich angefangen ein bisschen in anderen Online-Casinos „Live-Roulette“ zu spielen, was mir sehr viel Spaß gebracht hat. Eines Tages hat mich ein Freund mit in eine Spielhalle genommen, ich habe 5,-€ in den Automaten geworfen und mich ärgerte wie dumm das Ganze war. Eine lange Zeit hab ich dann, mit ab und an längeren Pausen, viel Online gezockt. Bis ich mir dort irgendwann bei jedem großen Anbieter hab sperren lassen. Von da an bin ich nur noch real in Casinos gegangen.

Welches ist dein Lieblingsspiel?

Im Endeffekt mag ich jedes der Spiele. Poker ist schon mein Lieblingsspiel, da es nicht nur mit Glück zu tun hat und es Spaß macht andere Leute dort zu besiegen. Allerdings dauerte pokern mir irgendwann einfach zu lange. Daher wechselte ich mehr zu Roulette, aber auch da ist es so dass es mir eines Tages auch zu lange gedauert hat bis die anderen Mitspieler gesetzt haben bzw. die Zeit bis der Groupie die Kugel geworfen hat zu lange gedauert hat. Zu dem konnten die anderen Mitspieler bzw. Mitarbeiter des Casinos sehen was ich da in meinem „Wahn“ getan habe. Was mir teilweise sehr unangenehm war. Daher wechselte ich am Ende meiner Zeit zur anonymsten und schnellsten Variante im Casino, dem Automaten Spiel. Wo man pro „Dreher“ also für jeden Knopfdruck zwischen 0,05 € und 50,-€, je nach Wahl, einsetzten kann. Und das der Einsatz sich bei mir kontinuierlich gesteigert hat.

Konsumierst du vor dem Zocken Drogen?

Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals nüchtern spielen gewesen zu sein, zumindest nicht in der jüngeren Vergangenheit oder wenn ich einen meiner Warnzustände hatte. Oft habe ich aus Langeweile alleine zu Hause angefangen zu ballern, in meinem Fall Speed oder Kokain, und bin dann Zocken gegangen oder habe zu Hause online gespielt. Vor dem, währenddessen und nachdem Zocken habe ich geballert, egal ob online oder im echten Casino.

Gemeinsamer Abend in der Spielbank

Wir beide waren auch einmal zusammen in der Spielbank am Potsdamer-Platz. Dort ist ein sehr großes Casino mit einem Riesen-Spielangebot. Franky ist mit 500,-€ rein gegangen, hat diese nach 30 min bis 1 h ca. verspielt und hat sich dann bei unserem dritten Begleiter 100,-€ geliehen und hatte nach ca. 1 h pokern wieder 800,-€. Wovon er mir dann Geld geliehen hat. Ich habe an dem Abend Ultimate Poker gespielt. Am Ende des Abends sind wir alle mit plus aus dem Casino gegangen und Franky danach noch die Nacht durch feiern obwohl er nächsten Tag arbeiten musste.

Wirst du irgendwann aufhören können zu spielen?

Ich denke schon dass ich mit dem Zocken aufhören kann, da ich selbst den Sinn des Zockens gar nicht erkennen kann. Denn eigentlich ist mir Geld nicht so wichtig und es geht im Endeffekt nur um Adrenalin, welchen man sich sicher auch woanders holen kann. Man muss halt nur gucken das man seine „Trigger-Punkte“ erkennt und dann richtig mit diesen umgeht.

Wie gehst du mit Rückfällen um?

Rückfälle hatte ich schon Einige und der Umgang damit war relativ unterschiedlich. Bei den ersten Malen war ich so krass enttäuscht von mir selbst, dass ich viele böse Gedanken hatte die in Richtung Selbsthass gingen. Körperlich habe ich darauf reagiert. Extreme Schweißausbrüche bis hin zu kreisrundem Haarausfall waren unter anderem die Folge. Bei meinen letzten Rückfällen habe ich mich teilweise erleichtert gefühlt,  kein Geld mehr zu haben. Man sagt ja auch Zocker spielen um zu verlieren. Mein Rekord waren 21 Tage am Stück im Casino in Kiel. Geld hat mit der Zeit keinen Wert mehr und das muss ich erstmal wieder lernen. Ich habe immer zwischen viel Geld und gar nichts gelebt und dachte mir wenn ich z.B. 500,-€ an einem Abend verzocken kann dann kann ich diese auch ohne Bedenken versaufen.

Parallelen zu meiner Abhängigkeit

So wie es bei mir mit dem Koks ist, so ähnlich ist es bei Ihm mit dem Zocken. Wenn ich an meine erste Line Koks denke, da war ich voller Glücksgefühle und alles war schön. Wenn ich in letzter Zeit gekokst habe, hatte ich eigentlich nur noch Angstzustände und gar keinen Spaß mehr. Und genauso ging ihm das teilweise mit dem Zocken. Es gab Tage, da hat er egal ob Gewinn oder Verlust, einfach nur stupide auf Knöpfe gedrückt ohne irgendwas dabei zu empfinden.

Was hältst du von Mischkonsum?

„Mischkonsum for Life Digger“. Ich empfinde meine Palette an Drogen die ich konsumiere, im Vergleich zu Menschen mit denen ich mich umgebe nicht als sonderlich groß. Ich habe viel gekifft als ich jünger war. Alkohol war schon immer dabei, das mit dem Kiffen hat  im Jugendalter angefangen. Wenn ich heute einen „netten Abend“ haben möchte, ziehe ich Koks oder Speed und dabei wird in der Regel immer getrunken und gekifft.

Was hat Zocken kaputt gemacht?

Es hat einige zwischenmenschliche Beziehungen „kaputt“ gemacht aber mir auch klar gemacht wer wirklich meine Freunde sind. Am meisten hat mich das ständige Lügen belastet, weil ich mich gezwungen sah, über Lügen an Geld zukommen oder zu lügen um fällige Raten nach hinten zu verschieben. Mich selbst hat das Zocken sehr kaputt gemacht, da ich grundsätzlich eher eine Frohnatur bin und das Zocken viele schlechte Gedanken in meinen Kopf gebracht hat. Ich musste mir eingestehen wer ich auch sein kann bzw. bin.

Welche positiven Effekte hat es in deinem Leben?

Mich hat diese Lebensphase sehr geerdet und mich dazu gebracht, bewusster zu leben. Ohne Geld hab ich mich so gefühlt wie ich mich selbst gerne sehe. Ich musste immer was tun sobald ich pleite war und war dementsprechend sehr fleißig und dankbar. Wenn ich kein Geld mehr hatte war ich meines Empfindens nach immer die beste Version meiner selbst, wohin gegen ich mit Geld viel Scheiße gemacht hab. Im Großen und Ganzen liegt mein Problem darin, dass ich das Leben nicht wirklich ernst nehme und mir Vieles so leicht gefallen ist.

In der schlechten Zeit haben mir meine Freunde und Familie Halt gegeben. Meine Mutter hat mich aufgenommen wenn ich nicht wusste wohin und mein Bruder hat immer wieder versucht mir zu helfen, mit Ratschlägen oder wenn er mir Geld geliehen hat um etwas zu Essen zu kaufen. Aber auch Freunde wie Lennardt (hier gehts zum Druktalk mit Lennardt) oder meine damalige Freundin oder meine Exfreundin waren immer für mich da, denen bin ich nach wie vor sehr dankbar. Ohne diese ganzen Leute, weiß ich selbst nicht was passiert wäre.

Ich würde jedem davon abraten überhaupt mit dem Spielen anzufangen. Denn wenn man schon für Drogen affin ist, kann das mit dem Zocken auch ganz schnell nach hinten losgehen. Obwohl ich auch weiß das einige Menschen das im Griff haben. Mein Bruder z.B. wenn er mal spielt, dann hasst er das Spiel und lässt es sein. Ich hingegen kann damit nicht Leben dass mich das Spiel fickt, ich müsse das Spiel ficken. Ich erkenne den Sinn des Zockens nicht. Einem Drogenrausch kann ich was abgewinnen, aber beim Spielen geht’s maximal um Adrenalin.

Spielen um zu Verlieren

Es ist auch interessant, als Beispiel aus meinem Leben. Ich habe eines Abends 100,-€ bei einem Online-Casino eingezahlt und Black Jack gespielt. Dabei natürlich was gezogen. Ich habe dann relativ zügig 2500,-€ daraus gemacht und dachte mir okay, ich spiele nun noch bis 2000,-€ und das zahle ich dann aus. Kaum war ich bei 2000,-€ angekommen war die nächste Grenze 1500,-€ – dann 1000,-€ und am Ende habe ich den Browser mit 0,-€ geschlossen. Situationen wie diese kennt Franky selbstverständlich zu Genüge. Es ist interessant wie ähnlich Gehirne da funktionieren. Genauso wie wir beide den Gedanken kennen, wenn man mit Gewinn das Casino verlässt, denkt man sich schnell – das kannst du doch jetzt jeden Tag machen. Es ist ganz sicher kein Zufall das wir beide und viele andere die wir kennen solche Gedanken haben.

Story von Frankys Freund

Der hat 75.000 € beim Online-Roulette gewonnen. Bei Pokerstars muss man bei der Erstauszahlung allerdings ca. 2 Wochen warten weil man eine Personalausweiskopie und andere Rechnungen dorthin schicken muss, zur Identifizierung. In dieser Zeit hat mein Freund leider das ganze Geld wieder verspielt. Ich hab ihn ein Jahr später getroffen und er konnte es immer noch nicht akzeptieren dass er das Geld verloren hatte. Dieses Gefühl kenne ich zu gut und genau dieses zu akzeptieren war oft das große Problem bei mir. Die Akzeptanz das Geld verloren zu haben. Dadurch bin ich oft Wochen- und Monatelang dem Geld hinterher gelaufen und hab somit immer mehr Geld verspielt. Bis der Punkt kam wo es einfach nicht mehr ging. Erst dann konnte ich damit Abschließen das es weg ist.

Abschließend bleibt zusagen, egal wie schlau du bist, es gibt viele Ähnlichkeiten was auf einmal im Kopf passiert wenn man öfter Zocken geht. Von daher ist mein Tipp – fang einfach niemals damit an.

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