Currybude

#31/2 Inne Currybude auf Kokain – Wie bin ich so geworden?

Im zweiten von 5 Teilen meiner Geschichte geht es nahtlos weiter mit der Schulzeit in Velten, die Zeit in Oberhavel, meine erste Bude in Berlin und dem Job in der Currybude.

Warst du froh nach den 6 Wochen Isolation im Keller endlich Anschluss zu finden?

Ja genau ich habe versucht mich zu integrieren und hatte Hoffnung neue Freunde zu finden. Da hab ich direkt in Berlin schwarzen Afghanen besorgt um etwas Besonderes zu holen und zu zeigen, dass ich guten Stoff besorgen kann. Ich wollte mich damals einfach profilieren.

Mit Locke zusammen habe ich immer auf so einem Feld gechillt unter einem ganz bestimmten Baum. Das war halt so unser Baum. Locke und ich haben in der selben Siedlung gewohnt und waren in meiner Veltener Zeit quasi best Buddys. Jedenfalls unter diesem haben wir halt immer getrunken und gekifft. Unter Anderem auch mit dem besagten schwarzen Afghanen. Mein Ticker sagte mir damals ich soll vorsichtg sein weil der Stein mit Opium getreckt wäre. Ich wusste überhaupt nicht was Opium ist zu der Zeit. Wir haben die Mische weggeraucht, ich war damals schon so ein Gieriger, und auf dem Rückweg bin ich schon voll weiß angelaufen im Gesicht.

Zu Hause wollte ich dann baden gehen aber heißes Wasser war keine gute Idee. Ich hab dann das ganze Bad vollgekotzt und mich total erschöpft, nackt auf diesen Vorleger von der Badewanne hingelegt um klarzukommen. Das war mein erster richtig harter Absturz vom Kiffen, willkommen in Velten.

Wie ist das denn zu Hause angekomman, dass du die ganze Badewanne vollgekotzt hast?

Ich weiß gar nicht mehr ob meine Mutter das mitbekommen hat. Ich sag ja, ich war auch so ein notorischer „Nicht-nach-Hause-Kommer“ und meine Mutter und ihr Lebensgefährte waren ja auch beide Arbeiten. Die haben das oft gar nicht mitbekommen. Warscheinlich erst als ich dann auch in meinem Zimmer geraucht habe und die Rauschwaden hochzogen. Die haben aber auch nie etwas gesagt.

Du hast also nie Anschiss bekommen?

Doch schon und nicht zu wenig aber das ging eher so in die Richtung was mit mir nicht stimmt, meine schulischen Leistungen und es waren auch meistens einfach nur Anschuldigungen ohne meine Seite zu hören. Das ist warscheinlich auch der Grund warum ich ein sehr sensibler Typ bin was das wording angeht wenn man mich kritisiert. Aber das Thema Drogen wurde nie thematisiert. Klar wurde ich gefragt was mit mir los ist aber ich dachte immer es würde die eh nicht interessieren und auf noch mehr Anschiss hatte ich auch kein Bock. Ich hatte damals einfach das Gefühl alleine geworden lassen zu sein.

Und wenn es Gespräche gab, dann nur über die Scheiße die du gebaut hast?

Jedenfalls erinnere ich mich nur an solche Gespräche aber ich muss dazu sagen, die hatten es auch überhaupt nicht leicht mit mir. Ich war früher auch ein Arschloch. Jeder, der mir dumm kam hat sofort Konter bekommen. Zu der Zeit habe ich gelernt mich durchzusetzen und das musste ich auch.

Die Zeit in Velten ging dann wie lange?

Boahr ich weiß es nicht mehr so genau. Das war ne ganze Weile diesmal … vlt waren es mehr als 2 Jahre, vlt waren es sogar 3 Jahre. Daraufhin sind wir nach Germendorf gezogen aber das war trotzdem noch Veltener Zeit. Der Ort war ca. 8 Kilometer entfernt.

Ihr seid da auch nochmal umgezogen?

Dicker, wir sind alle zwei bis drei Jahre umgezogen. Ich kenne es nur so bis ich irgendwann ausgezogen bin. Meine Eltern sind sogar nach meinem Auszug immernoch regelmäßig umgezogen.

Darf ich fragen woran das lag?

Ich weiß es nicht so genau. Es könnte Stress mit Vermietern gewesen sein und die finanzielle Situation. Ich hab auch nie gefragt. Es war mir schlichtweg egal. Ab einem gewissen Zeitpunkt aktzeptiert man es einfach. Okay wir ziehen um, wie viele Kisten soll ich diesmal schleppen?

Also ging dir das schon aufn Sack?

Ja total! Allerdings hat es Vorteile und Nachteile. Ich hab zum Beispiel immer das Beste Zimmer bekommen als Versöhnungsversuch von meiner Mom.

Machst du deinen Eltern einen Vorwurf?

Nein, nein, nein, niemals! Ich hab auch mit meiner Mom schon so ein wenig darüber gesprochen und ich bin froh, dass sie und ich gerade wieder ein „normales“, gesundes Miteinander aufbauen. Ich denke wir leben alle zum ersten Mal und wir machen alle unsere Fehler. Heute mache ich meiner mom null Vorwürfe aber früher schon. Die rebellische Art war ja mein Veruch das auszudrücken. Wenn ich n Assi wäre, würde ich sagen, dass sie mich aus meinem Umfeld rausgezogen haben und mir meine Freunde „weggenommen“ haben aber ich weiß auch, dass wir nie viel Kohle hatten und dann zieht man halt da hin wo es günstiger ist oder zahlst den Sportverein für dein Kind nicht oder was auch immer.

Und dann seid ihr wieder umgezogen?

Genau, wir sind innerhaln des Landkreises umgezogen von Velten nach Germendorf. War eigentlich ganz idyllisch dort aber ich war halt schon voll in meinem Film und konnte damit gar nichts anfangen. Ich hab da das geilste Zimmer wieder bekommen, den Dachboden und der hatte eine Glasfront mit einer Tür. Ich hab mich da immer raus gesetzt und einen Joint geraucht während ich mir den See angeschaut habe. War ein geiles Ritual.
Die Bude hätte ich fast mal abgefackelt als ich kein Feuerzeug hatte aber trotzdem unbedingt meinen letzten Kopf rauchen wollte. Das erzähl ich dir mal ganz genau auf Youtube.

Du hast gerade Exstasy erwähnt. Die Zeit war schon heftig oder?

Eigentlich konnte ich mit Chemie gar nicht so viel anfangen. Wir waren ja eher die gechillten Kiffer die alles nur von der Natur konsumieren wollten. Schön blöd denn wir hatten ja nebenher auch gesoffen. Hasch, Gras und Pilze waren eher unser Ding. Viele aus der Stadt hatten dann auf einmal auf jeder Party Speed um länger wach zu sein und weil es auf einmal überall war, habe ich natürlich auch konsumiert. Wir haben Pepp nicht als Droge gesehen, macht ja nur wach. Irgendwann haben wir ein wenig mehr mit den Techno´s zu tun gehabt und hatten daruch auch Kontakt zu Exstasy.

Meine ersten Pillen habe ich nicht auf einer Party genommen sondern an einem Vormittag an dem alle anderen in der Schule waren. Ich wollte eigentlich nur einen Kiffen gehen und danach zum Friseur. Unterwegs hab ich zwei Kumpels getroffen und mit denen zusammen geraucht. Gemeinsam schmeckts bekanntlich besser und die Beiden haben mich dann gefragt ob ich auch ne Pille möchte. Erst hatte ich ein wenig schiss aber die haben mich beruhigt und so hab ich mein Friseurgeld für Exstasy ausgegeben unter der Vorraussetzung, dass mir einer der beiden Jugs die Haare schneidet. Zugegeben, ich sah die Wochen danach etwas wirr aus um den Kopf aber die Erfahrung war geil.

Wie ging es dann bei dir weiter?

Im Grunde genommen kann man sagen, dass ich der Zeit viel gekotzt habe, viel konsumiert habe und wenig auf die Kette bekommen hab. Dann bin ich irgendwann 18 geworden. In der Zwischenzeit gabs viele erste Male. Meine Mom hat irgend ne Alte, die ich als Freundin hatterausgeworfen als die bei mir war. Dann bin ich gleich mit abgehauen und war drei Wochen nicht mehr zu Hause. Es war wirklich immer Stress zu Hause. Geht mir heute schon nah.

Wie hast du dich dabei gefühlt damals?

Ich hatte ehrlich gesagt keine Gefühle. Alle meine Gefühle habe ich getötet und genau das war zu der Zeit auch mein Ziel. Ich lerne heute erst in der Therapie Gefühle wieder zuzulassen. Am Ende war mein ganzes Verhalten damals ein riesiger Schrei nach Aufmerksamkeit. Liebe Familie, schau doch mal was ich hier mache, was ich mir antue, warum chekt ihr es nicht?! Ich hab mich zu der Zeit gefühlt wie ein Stück Scheiße. Man Alter ich hab zu der Zeit jeder Woche einen Absturz gehabt und wenn nicht jede Woche, jeden Monat auf jeden Fall.

Was glaubst du warum wir immer über deine Grenzen gehen? Also im Job und im Konsum?

Die Frage ist einfach beantwortet: Der Zweite ist der erste Verlierer!
Ich erkläre dir was ich meine. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft in der uns beigebrecht wird, dass Geld nicht auf Bäumen wächst, dass Indianer keinen Schmerz kennen und, dass Männer nicht weinen. All diese falschen Glaubenssätze werden uns von der Jugend an eingebrannt werden und machen uns zu Wettbewerbern statt zu einer Gemeinschaft. Genau deshalb habe ich immer über die Strenge geschlagen denn ich glaube leider immernoch: Wenn du gesehen werden willst, musst du vorne sein! Alle sehen nur den, der vorne Läuft. Ich hab ein hartes Aufmerksamskeitproblem.

Und mit 18 bist du dann ausgezogen?

Ja genau. Damals musste ein Kumpel von mir wegen zu viel Konsum und damit verbundenen Straftaten in die Drogentherapie. Ich durfte bei der Familie einziehen und in sein Zimmer ziehen. Dafür musste ich im Unternehmen der Familie arbeiten. Ich hab 2,50€ die Stunde bekommen und musste Hundefutter und Katzenstreu schleppen. Die hatten halt so einen Tierfutterladen und geliefert Ich war der Typ, der dann schleppen durfte.
Mein Kumpel hatte ne Schwester, die ich immer ganz geil fand und irgendwann kam es wie es kommen musste. Ich kam mit der zusammen. Erst ohne, dass die Eltern das mitbekommen haben und dann war uns das irgendwann egal. Der Vater hat mich ab dem Zeitpunkt gehasst.
Irgendwo auch logisch. Wenn ich jemanden aufnehmen würde und zum Dank bumst er meine Tochte würde ich ihn auch hassen!

Auf jeden Fall hat dieser Vater noch dafür gesorgt das ich nen Job bei Maximilian bekomme. Das ist so ne Berliner Currybude obwohl Currybude dem nicht gerecht wird. Es ist eher ein berliner Traditionsunternehmen. Warscheinlich hat er dem Chef gesagt, dass er mich nicht mehr sehen kann, hehe.
Da hab ich dann meine erste eigene Wohnung in Berlin Wilmersdorf gehabt.

Wie war es für dich, dass einer deiner Kumpels in Therapie war?

Also er hatte eigentlich immer weniger konsumiert als ich aber viel mehr Scheiße gebaut. Hat sich öfter erwischen lassen als gut für ihn war. Mein Opa hat immer gesagt: Du kannst alles machen aber lass dich nicht erwischen, sei schlau! Naja und mein Kumpel hat sich halt zu oft erwischen lassen.
Ich glaube wenn er keine Therapie gemacht hätte, hätte er einwandern müssen.
Ich hab dabei irgendwie gar nichts gefühlt. Er war irgendwie für mich ein Soldat, der gefallen ist, ist halt auf der Strecke geblieben. Natürlich hat es mir für ihn leid getan aber so wirklich was gefühlt hab ich nicht.

Wie war es in der ersten Wohnung?

Du musst dir Vorstellen, ich hab in der Currybude ja nie einen Vetrag unterschrieben. Mein Geld hab ich immer direkt auf die Hand bekommen also komplett schwarz gearbeitet und immer nachgefragt was mit einem Arbeitsvertrag sei aber da kam nichts. Zu der Zeit habe ich echt viel gekokst weil ich viel gearbeitet habe und immer vollgas geben wollte. Die Kunden fanden meine Art auch richtig gut und kamen gerne. Ich hab mich gefühlt wie der Currywurstgott! Naja, die Situation mit dem Vertrag hat mich genervt und ich begann irgendwann in die Kasse zu greifen. Hab mir genommen was mir, meiner Meinung nach, zustand.
Meine Miete habe ich allerdings nicht gezahlt. Als ich hätte die Kohle gehabt aber hab mich nicht wohl gefühlt und wusste eigentlich schon, dass die Nummer schief läuft. Matraze und Fernseher war meine Einrichtung. Wieder nur gesoffen, Party gemacht und Pornos geguckt weil ich immer drauf war.
Irgendwann wollte ich nach der Arbeit nach Hause und stand vor verschlossener Tür mit ausgewechselten Schlössern. Ich hab jakeine Miete gezahlt.

Hast du denn die Briefe irgnoriert?

Was für Briefe, Bruder? Ich hab mich nie irgendwo angemeldet. Bin da einfach hingezogen. Es gab ja auch keinen Mietvertrag. Briefkasten hatte ich auch nicht. Ich hab nen Schlüssel bekommen und dann da gewohnt. Das war so ein Shake-Hands-Deal nach dem Motto von deiner Wohnung miete ich das eine Zimmer und die Küche. Hab mich dann fast nur in der Küche aufgehalten weil das Kabel vom Fernseher zu kurz war um den in mein Zimmer zu stellen.
Auf jeden Fall war die Tür zu und ich kam bei meinem Onkel unter, die Wohnung willste auch nicht sehen. Da haben wir zu dritt (noch ein Kumpel von ihm) in so ner zugemüllten Bude gehaust. Ich bin dann ziemlich zügig zu meinen Großeltern nach Kremmen gezogen, zurück in den Osten.

Wie war das vor verschlossener Tür zu stehen?

Kein Plan. mir war klar, dass das irgendwann passiert. Die Bude war noch im selben Moment abgeschrieben im Kopf und dann bin ich mit dem Bischen wa ich noch hatte zu meinen Großeltern gezogen. Keine Gefühle, zu viel Drogen.

Und gabs irgendwie rechtliche Folgen?

Nein ein Glück nicht. Der hat einfach nur mein Zeug, der Hund! Also heute weiß ich natürlich, dass ich mich extrem daneben benommen habe. Zu der Zeit war mir nur Koks wichtig. Ich kann mich erinnern, dass ich ein Silvester in der Currybude umgekippt bin weil mein Kreislauf einfach kein Bock mehr hatte. Im Krankenhaus hieß es dann, ich soll nut Tee und Zwieback nehmen sonst gehts nicht ausm Krankenhaus. War ne harte Zeit. Alles für die Drogen, alles für Kokain. Da muss ich so um die 20 gewesen sein.

Wie haben deine Großeltern dich dann aufgenommen?

Meine Oma und mein Opa haben mich mit offenen Armen aufgenommen. Meine Oma wusste ja wie Druffis aussehen als Frau eines Alkoholikers. Sie hat mir nie Vorwürfe gemacht. Der Konsum gin aber im selben Tempo weiter. Aus dem vielen Kokain wurde da aber mehr Alkohol weil er verfügbar war und ohne wirklich Kohle kriegste auch kein Koks. Das Kokain war auch nicht so gut im Osten.

Ich hatte kein eigenes Zimmer bei meinen Großeltern. Hab da auf der Couch gepennt aber darüber reden wir in der nächsten Episode 😉
Falls ihr den ersten Teil noch nicht gehört habt, findet ihr den hier: (einfach klicken)

Beste Grüße
Roman

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