#23 Abhängigkeit – Was ist das ?

Zum Thema Abhängigkeit möchte ich euch gerne erzählen, was diese Woche in meiner Einzel- und Gruppentherapie so los war. Wichtig war herauszufinden was ich mir von der Therapie verspreche. Welche Ziele ich damit anstrebe.

Ziele der Therapie

Hauptziel meiner Therapie ist Abstinenz.
Schön und gut, aber dazu muss ich erst einmal wissen wie ich diese Abstinenz erreiche bzw. beibehalte.
Dazu ein paar Punkte:

  • Ehrlich zu mir selber sein.
  • Keine Bagatellisierung betreiben
  • ein ehrliches Feedback von außen

Auf das letztere sind wir etwas näher eingegangen. Es geht allerdings nicht allzu sehr um Feedback sondern eher um Unterstützung. Bei mir bedeutest es das meine Familie oder Freunde ein Auge darauf haben sollen und mich wieder runter holen, wenn ich mich mal wieder zu sehr Hals über Kopf in ein Projekt gestürzt habe.
Sie sollen so blöd es klingt ein bisschen auf mich aufpassen. Ich schaffe es meistens nicht selbst meine eigenen Grenzen frühzeitig zu erkennen.

Das Aufmerksamkeitsding

Ich habe sehr den Drang mich zu präsentieren. Das Thema werden wir allerdings zu einem späteren Zeitpunkt in der Einzeltherapie besprechen. Ein weiterer Punkt ist der Umgang mit Emotionen. Ich fange langsam an Emotionen zuzulassen. Früher habe ich sie in der Regel unterdrückt, vor allem die negativen Emotionen. 
Wie kann ich den Umgang mit Emotionen verbessern wäre sozusagen der nächste große Schritt. Es gilt den Ursprung zu erkennen. Was hat mich gerade zu dieser oder jener Emotion gebracht. Es hilft die Situation objektiv von außen zu betrachten, dann kann man damit auch ganz anders umgehen. Und was ich von Sick im Telefonat gelernt habe…
Akzeptanz! Die Emotion aushalten und akzeptieren. Gar nicht so einfach!

Grenzen erkennen

Das ist das nächste und für mich auch nicht so einfach umzusetzen. Das man z.B. nicht 18 Stunden durchackern kann. Stattdessen den Arsch in der Hose zu haben auch mal den Mund auf zu machen, wenn man an seiner Belastungsgrenze angekommen ist. Bevor es wieder zu dem Kopfschmerz kommt, von dem ich euch schon in der letzten Episode erzählt habe. Der schreit die ganze Zeit:

STOP! Dicker … DU BIST ZU WEIT!

Oder du gehst gerade wieder über deine Belastungsgrenze. Woran erkenne ich dass ich gestresst bin? Es fängt immer gleich an. Ich werde unruhig und hibbelig. Fange an mit den Fingern herum zu spielen und daran herum zu knabbern, oder reibe mir immer wieder über die Arme. Mich überkommt eine innere Unruhe, ich bin angespannt und das Ganze endet im schlimmsten Fall in starken Kopfschmerzen.

Wobei komme ich zur Ruhe?

Mein erster Impuls war zocken, aber das ist keine Ruhe, es ist Ablenkung und Stress!

  •  Sport ist da schon geeigneter um geistigen Stress abzubauen.
  • Demnächst steht auch regelmäßiges spazieren gehen auf meinem Programm. Das klingt jetzt zwar so ein bisschen Rentnerlike, aber es beruhigt schon sehr wenn ihr mal in der Natur seid, fern ab von Autolärm und Großstadt Jungel.
  • Ich habe angefangen zu meditieren. Auf die eigene Atmung zu achten und alle äußeren Einflüsse abzustoßen. Einfach raus. Nur Ich. Im Jetzt.
  • Massagen. Wir haben bei uns um die Ecke ne tolle Thai Massage. Für die Schmunzler, nicht das was ihr jetzt denkt! Nein einfach mal ne Stunde durchkneten lassen und danach ist man dann wie Gummi.

So das war’s erstmal. Weiter bin ich noch nicht. Evtl. kommt noch angeln dazu, aber ich besitze keinen Angelschein, daher ist es nix was ich demnächst machen kann. Grundsätzlich stelle ich es mir aber sehr entspannt vor einfach mal am See zu sitzen und die Seele baumeln zu lassen.

Gruppentherapie Thema Abhängigkeit

Abhängigkeit, was ist denn das eigentlich? Unsere Therapeutin ist an das Thema so heran gegangen, indem sie uns vorgeschlagen hat wir sollen in die Rolle des Arztes schlüpfen und uns vorstellen wir müssten diagnostizieren das hier eine Abhängigkeit besteht. 

Mögliche Fragen die ich als Arzt stellen würde wären:

Konsumieren sie regelmäßig? Per Definition nicht jetzt das Sekttrinken an Sylvester sondern eher den wöchentlichen Konsum.

Wie viel konsumieren sie?

Betreiben sie Mischkonsum?

Haben sie ein Problem damit, wenn die Substanz mal nicht verfügbar ist?

Wie ist es mit ihren sozialen Kontakten bestellt?

Sind sie isoliert? Haben sie sich selbst isoliert?

ICD10

Meine Therapeutin gab uns dann den ICD10 Fragebogen. Das ist eine Art Regelwerk, welches sich aus 6 Punkten zusammensetzt, an dem Ärzte sich orientieren können ob eine Abhängigkeit besteht. Was sind die Hauptaspekte einer Abhängigkeit?

Craving, das Verlangen, der Suchtdruck.

Bsp.: Alkohol (checkt auch mein Interview bei nüchtern.berlin), in meinem Fall kommt nach dem Alkoholkonsum automatisch der Suchtdruck nach Kokain. Das gehört für mich automatisch zusammen. Oder harte Belastung bei der Arbeit, wenn ich merke ich bin an meine Leistungsgrenze angekommen. Dann kommt in mir ganz stark das Verlangen auf, diese Leistungsgrenze durch die Substanz nach oben hin zu verschieben. Bei Feierlichkeiten oder Partys verhält es sich ähnlich, Party ohne Drogen ist keine Party!

Kontrollverlust

Damit meint man dass der Konsument keine Kontrolle über Beginn, Menge und Beendigung des Suchtmittel Konsums hat. Wenn ich mir vornehme ich konsumiere nur eine bestimmte Menge und am Ende mache ich dann doch so lange weiter bis alles weg ist, dann ist das ein Kontrollverlust. Genauso verhält es sich wenn ich mir vornehme nur am Wochenende zu konsumieren und dann passiert es doch unter der Woche. -Kontrollverlust- 

Bei mir habe ich gemerkt, dass ich kein bock mehr hatte zu ziehen aber es war noch was da und ich konnte einfach nicht aufhören. habe mir gedacht, was machst du denn da? Und weiter, bis nix mehr da war. Wenn ich betrunken war und dadurch ein Blackout die Folge war. Oder bei Extasy, selbst wenn du dich nicht mehr bewegen willst, du fängst einfach an zu zappeln, zu tanzen.

Toleranzentwicklung

Man braucht mehr Suchtmittel um eine Bestimmte Wirkung zu erzielen. Die Dosis erhöht sich weil der Gewünschte Effekt nicht eintritt.

Entzugserscheinung

Zittern, schwitzen, innere Unruhe, Kreislaufschwankungen, Übelkeit und Halluzinationen. Das sind mögliche Entzugserscheinungen. Bei vielen chemischen Drogen ist das so ein Psychisches ding und man schwitzt sehr viel.
Bei Alkohol wird empfohlen nicht kalt zu entziehen und den Entzug auf eigene Faust zu machen. 
Man soll einen Entzug mit ärztlicher Begleitung machen. Finde mal einen kompetenten Arzt. Stattdessen geht man besser in eine psychiatrische Klinik, die haben immer automatisch eine Entgiftungsstelle und die muss dich aufnehmen. Also wenn du nicht weißt wie und mit wessen Hilfe du das machen kannst, geh dahin. Im Zweifelsfall haben die auch die nötigen Adressen wo du dich dann hin wenden kannst.

Vernachlässigung anderer Lebensbereiche

Man isoliert sich selbst um mehr Zeit für den Konsum zu haben. Oder Vernachlässigung der eigenen Körperhygiene, mal ne Weile nicht waschen oder Zähne putzen, weil es sich eh nicht lohnt. Man möchte nicht mehr an Familienfeiern teilnehmen, sondern lieber alleine zu Hause sitzen und konsumieren. Ebenso beim Sport und Freizeit. Die Vernachlässigung von Lebensbereichen zu Gunsten des Konsums.

Fortsetzen des Konsums trotz negativer Folgen

Ich habe körperliche, psychische oder soziale Schäden schon erlitten. Oder ich weiß dass es bei weiterem Konsum dazu kommen wird, trotz dem konsumiere ich weiter. Beispielsweise mein Kumpel Flo, der hat einen Lungenriss erlitten. Augenscheinlich eine körperliche Reaktion/Konsequenz des vielen Konsums durch Rauchen, Kiffen und Koksen. Trotz dem hat er danach weiterhin konsumiert. Soziale Konsequenzen können auch als negative Folgen auftreten.Leute die sich von dir abgrenzen.

„Ich habe so viel gekokst, ich wusste ich werde sterben.“

Sick

Wenn man sich darüber im Klaren ist und es trotzdem macht, das ist eine Abhängigkeit. Wir müssen daran arbeiten das als eine Erkrankung zu etablieren und die Abhängigen nicht einfach als willensschwach zu verurteilen.

Das waren die 6 Punkte des ICD10 Fragebogens, wenn euer Arzt 3 davon als positiv bewertet, dann diagnostiziert er euch wahrscheinlich eine Abhängigkeit.

So ihr Lieben, ich hoffe ich konnte euch das Thema Abhängigkeit ein bisschen anschaulich erklären. Hinterfragt euch gerne selber und vielleicht denkt ihr dann anders über euern Konsum nach. Am Anfang meiner Therapie hatte ich gesagt:

Ich will eigentlich nur einen ordentlichen Umgang mit Konsum lernen.

Mittlerweile denke ich da deutlich anders drüber. Kokain, Speed und Alkohol haben in meinem Leben keinen Platz mehr! Das Risiko ist mir zu hoch das es schief geht und ich dann wieder genauso konsumiere wie früher. Bei ein paar anderen Substanzen sehe das ich nicht so. Da komme ich dann aber ein anderes Mal drauf zurück. 

Ich hoffe dieser Beitragt hat euch gefallen. Ihr könnt euch das Ganze auch in ungekürzter Form oben im Player anhören.

Macht es gut! Euer Roman

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