Drugtalk mit Mot - Methamphetamin

#24 Meth ist der Teufel – Drugtalk mit MOT

Herzlich willkommen zur 24. Episode von Sucht und Ordnung. Nachdem wir in einer der letzten Episoden das Thema Crystal Meth (hier gehts zur Crystal Episode) behandelt haben, wollen wir heute mit einem Konsumenten darüber sprechen. Mot ist 28 Jahre, kommt aus Thüringen und wir haben uns über seinen Werdegang bzw. seinem Konsum unterhalten.

Wie hast du angefangen zu konsumieren?

Ich habe mit 10 angefangen zu rauchen. Wir haben an der Zigarette gezogen und so getan als würden wir uns erschrecken damit wir den Qualm in die Lunge einziehen konnten. Mit 12 glaube ich habe ich das erste Mal gekifft. Da haben meine Freunde mir einen fetten Eimer fertiggemacht. Der hat mich geflachst. Dann ging es weiter mit Alkohol, Chemie (z.B. Meth) und Pilzen. Hab da viel ausprobiert.“

War die Neugierde die treibende Kraft?

Auf jeden Fall. Die Neugierde und ein wenig mein Umfeld. Gleich und Gleich gesellt sich halt gerne.

Mit 10 Jahren anzufangen zu rauchen ist ganz schön heftig, oder?

Ja in einem alten Abrisshaus hinter meiner damaligen Schule haben wir uns in kleinen Gruppen von 5 oder 6 Kumpels getroffen und heimlich Kippen geraucht. Dann ein Jahr später haben wir auch aus Neugierde angefangen zu kiffen. Meine Freunde haben mir einen sehr dicken Eierkopf Shit (Hasch) fertiggemacht. Danach war Ende im Gelände. Ich seh mich heute noch in dem Keller sitzen und war total breit.

Wie war es mit Alkohol?

Ja klar war Alkohol dabei. Das gehört ja zum guten Ton. Ich denke auch jeder beginnt so, vielleicht nicht unbedingt in der Reihenfolge aber klar saufen gehörte einfach dazu.

Wie hat das mit dem Crystal Meth bei dir begonnen?

Ich denke mit 16 habe ich einen Kollegen kennengelernt, mit dem ich Musik gemacht habe. Wir hatten einen eigenen Proberaum, haben Mukke gemacht und eigentlich immer gekifft. Irgendwann waren wir bei unserem Ticker und der hat uns dann das Meth dazu verkauft. Ich muss dir sagen, das erste Mal war eigentlich hammergeil. Ich würde es im Nachhinein auch nicht verteufeln. Bei uns in Gera ist Crystal Meth eh sehr verbreitet. Ich denke es gibt mehr Leute die Methamphetamin konsumieren als irgend etwas Anderes.

Wie ist das preislich? Was kostet Crystal?

Hier in Gera kannst du zwischen 80 und 120 Euro für ein Gramm bezahlen. Je nachdem wen du kennst, aber drüben in Tschechien bekommst du es für 20 -30 Euro. Du fährst gerade mal eine Stunde. Den Weg nehmen viele auf sich da die Grenzen ja auch offen sind. Bei uns im Osten ist Meth auch schon richtig lange vertreten. Ich stehe auf Frauen die älter sind als ich und die haben in den 90ern auch schon Crystal geballert.

Hast du Erfahrungen mit Kokain?

Ja die habe ich auf jeden Fall. Es gibt einen sehr gravierenden Unterschied zwischen den Substanzen. Auf Koks kannst du deinen Tag planen und dich noch artikulieren ohne, dass es gleich jeder merkt. Das ist auf Meth nicht möglich. Man sagt nicht umsonst Crystal sei der Teufel. Man kann je nach Reinheit mehrere Tage wach sein.

Wie lange warst du au Meth wach?

Die längste Zeit waren 5 Tage. Das ist jetzt nicht so viel. Es gibt bestimmt Leute die deinen Podcast hören, die sich auf diesen Talk freuen und länger wach waren. Für die ist das bestimmt nicht viel. Ich habe Leute in meinem Bekanntenkreis die 13 bis 14 Tage wach waren. Das ist mir zu anstrengend. Wenn ich an die Episode mit Adriano von RushSleepCrackRepeat denke oder was er generell in seinem Podcast sagt, wo er 13 Tage wach war, das finde ich schon heftig. Ich muss sagen 5 Tage war schon hart.

Wie ging es dir an den 5 Tagen?

Du musst dir vorstellen, ich war 16. Wir haben die 5 Tage nur konsumiert und Musik gemacht. Wir haben nicht gegessen und nicht getrunken, nur Mukke gemacht und geballert. Irgendwann musste ich ja wieder nach Hause und es war nachts. Seit ich 14 Jahre alt war, bin ich meist nur zum Essen oder duschen nach Hause gegangen. Hab aber nie die Schule geschwänzt, auch wegen meiner Eltern. Am 5. Tag haben wir dann mal ne Pizza bestellt und die hat richtig scheiße geschmeckt wegen dem Konsum.

Durch den Schlafentzug habe ich auch irgendwann Halluzinationen bekommen. Zum Beispiel hat die Exfrau meines besten Freundes mit mir gesprochen, obwohl sie nicht anwesend war. Sie war auf einmal da in der Booth. Ich habe halluziniert, dass die mich anmacht und mit mir in die Kiste will. Nach ner halben Stunde drehte ich mich dann zu meinem Freund um und sagte ihm, dass ich nix mit seiner Frau hab. Das hat meinen Kopf gefickt, aber richtig.

Hast du neben den Drogen noch andere Süchte?

Ich stehe auf guten Sex, Süßigkeiten und spiele auch ab und zu am Automaten aber keine Abhängigkeit.

Konsumierst du noch?

Ja. Ich konsumiere noch Alkohol und Cannabis aber von der Chemie versuche ich die Finger zu lassen. Auch durch meine Arbeit in der ich jetzt seit 2 Jahren bin. Weed ist bei mir mittlerweile die Substanz, die ich hauptsächlich konsumiere. Ganz selten konsumiere ich Kokain.

Glaubst du das man für immer Abstinent sein kann?

Nein. Ich glaube das es im Leben darum geht sich glücklich zu fühlen, dafür haben wir die ganzen Rezeptoren im Gehirn aber in der Gesellschaft geht es immer darum, was du hast oder was du vorgibst zu sein. Immer höher, schneller, weiter und diese Unart erschafft so viel Druck, dass man früher oder später konsumiert. Lass doch die Leute wie sie sind und macht sie nicht zu Robotern.

Hat der Konsum in deinem Leben etwas zerstört?

Auf jeden Fall. Zwischenmenschlich mit sehr vielen Leuten. Ich vertraue niemandem mehr schnell aber ja auch gesundheitlich. Ich habe in der rechten Seite meines Kleinhirns eine Stelle, ca. so groß wie eine 20 Cent Münze. Die Ärzte sagen es wäre angeboren aber ich glaube das nicht. Das wäre sonst doch schonmal zu Sprache gekommen. Es ist eine Verkalkung und ich glaube die kommt vom Stoff. 
Auch habe ich wahrscheinlich eine Psychose vom Crystal. Ich war mit meiner Frau auf der Couch, wir waren wirklich allein zu Hause. Irgendwann hatte ich wieder Halluzinationen und dachte die fickt vor meinen Augen einen anderen Typen. Waren natürlich alles Hirngespinste aber das weißt du immer erst mit genügend Abstand und in der Situation kann es auch ganz leicht eskalieren.

Glaubst du deine Familie war Auslöser zum Konsum?

Nein, meine Oma hätte alles für mich getan. Meine Schwester ist auch vollkommen „normal“. Ein wenig hat mein Stiefvater mich geprägt der selbst immer Lanzer-Musik gehört hat aber das hat mich selbstverständlich geprägt. Man sagt der erste Pfannkuchen geht immer daneben und das bin bei uns ich. Meine Erinnerungen an die Kindheit sind auch sehr mau.

Wenn du dich in deiner Vergangenheit anrufen könnest, wann würdest du dich anrufen und was würdest du dir sagen?

Ich würde mich anrufen als ich 15 Jahre alt war und würde mir raten die harten Drogen nicht anzufassen und wenn dann erst mit 18.

Was möchtest du den Hörern von Sucht und Ordnung mit auf den Weg geben?

Schwere Frage? Macht was ihr machen wollt, aber denkt immer an die Konsequenzen. Die kommen auf jeden Fall egal, ob das früher oder später ist. 

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