Flashback

#25 Flashback Drugtalk mit Dominik Forster

Herzlich willkommen zu dieser neuen Episode. Zu Gast ist heute kein geringerer als Dominik Forster. Er ist Autor, Ex-Knacki und hat eine Drogenabhängigkeit hinter sich. Mittlerweile ist er seit über 10 Jahren clean und gibt sein Program Flashback an deutschen Schulen zum Besten. Viel Spaß beim Heuteigen Drugtalk.

Dominik wie bist du zu Drogen gekommen?

Flashback, ich bin mit 13 Jahren auf eine neue Schule gekommen weil ich den Sprung auf die Realschule nicht geschafft habe. Das war in Nürnberg. Um etwas mehr auszuholen, muss ich sagen, dass ich mit 9 Jahren einen heftigen Unfall hatte. Mein Papa hatte eine eigene Firma und ich bin da vom Werkstattdach gefallen. Die Folge war ein dreifacher Schädelbasisbruch mit Innenohr-Abriss und da wäre ich fast drauf gegangen. Ich musste danach quasi von Vorn beginnen weil ich das Schreiben, das Lesen, das Laufen und so weiter neu lernen musste. Durch diese schwere Zeit fehlen mir ca. drei Jahre bzw. ich bin drei Jahre zurück gewesen in der Schule. Dadurch bin ich auf der Hauptschule gelandet.

Wie war es für dich auf der Hauptschule?

Ich habe 4 Jahre auf die Fresse bekommen, wurde angespuckt, meine Hausaufgaben wurden geklaut bzw. zerrissen. Halt Alles was man mit nem „Spassten“ auf der Schule so anstellt. Ich war ein Mobbing-Opfer. Das Problem war, dass ich meinen Eltern nichts gesagt habe weil die ihre eigenen Probleme hatten. Mein Papa war Alkoholiker und meine Mama hatte mit Medikamenten zu tun. Nach außen hin waren meine Eltern cool, auch wegen der Firma. Wir waren halt gehobener Mittelstand. Im letzten Jahr der Hauptschule hab ich erst gecheckt, was das alles soll und, dass ich ja durch den Unfall so zurückgeblieben war. Ich war halt klein, schwach und dünn.

Klingt nach einer harten Zeit. Wie ging es weiter?

Ich beschloss mir neue Freunde zu suchen. Durch Musik, genauer gesagt HipHop, wusste ich man wird nur cool wenn man Drogen nimmt, gewalttätig ist und viele Partys feierst. Ich dachte, wenn ich das Alles mache, dann kriege ich so viel Bitches wie ich will. Ich habe nicht verstanden, dass es eine Kunstform ist, quasi ein Actionfilm in Audio. Mit 17 habe ich dann das erste Mal Drogen genommen und mit 21 saß ich schon im Jugendknast für 2 Jahre und 6 Monate.

Und jetzt bis du an Schulen und betreibst präventive Arbeit?

Ja genau, ich habe angefangen mit Präventionunterricht. Habe also einem Therapeuten bei seinem Unterricht geholfen wenn dieser in Schulen unterwegs war. Dadurch ist mein Sinn im Leben entstanden auch wenn es am Anfang richtig schlecht war aber mittlerweile Pfeile ich seit Jahren an dem Program und entwickle es immer weiter. Der Name des Programs ist Flashback. Flashback weil es ja auch immer eine Reise zurück ist für mich und auf Drogen bekommt man ja auch häufig einen Flashback. Naja mit Flashback reise ich rum und habe in den letzten 7 Jahren ca. 700 Auftritte gehabt.

Okay und über HipHop bist du dann zu den Substanzen gekommen. Was hast du alles konsumiert?

Angefangen hat es mit Alkohol wie bei vielen Menschen. Mir hat niemand erklärt wie Alkohol wirkt und das erklärt ja auch niemand den Schülern und Schülerinnen so richtig. Meist sagt man nur Alkohol ist Schlecht, er zerstört die Leber und das wars. Also hab ich meine Erfahrungen alleine gemacht. Dann habe ich innerhalb von drei Monaten alles genommen was ging. Ich habe gekifft, Speed genommen, LSD und Extasy konsumiert. Wir sind nach Holland rüber und haben dort 25 Cofeeshops in paar Tagen durchgemacht, das Ganze auf Koks und so weiter. Ich hab halt erst mit 17 angefangen und hatte das Gefühl auch hier zu spät dran zu sein. Deshalb hab ich es richtig krachen lassen.

Du warst sogar auf Pro7 mit deinem Program oder?

Ja ich hatte die Ehre bei der Show 1:30 von Teddy Teclebrhan mein Flashback vortragen zu dürfen. Normalerweise werde ich bei TV-Formaten nicht eingeladen weil es von der ehrlichen Art der Sache nicht passt. Alle wollen immer was Ehrliches aber dann irgendwo doch wieder nicht. Dabei passt unser Thema gut ins TV. Mit Sucht und Gewalt hat jeder irgendwo zu tun und es wäre einfach so verdammt wichtig da mehr Publikum zu erreichen. Leider bekomme ich immer noch viel Ablehnung bei irgendwelchen TV-Formaten obwohl mir schon 5-6 mal meine eigene Show versprochen wurde. Es traut sich wohl Niemand so richtig ran an das Thema.

Wie denkst du über das Geborgenheitsgefühl bei Konsum im Allgemeinen?

Es ist ja bei Allem so, auch beim Essen. Wie viele Leute suchen sich ihr Glück in der Tafel Schokolade. Man stopft sie schon in sich rein statt einfach zu genießen. Jeder möchte glücklich sein und Anerkennung bekommen. Unsere Träume werden aber ganz oft von unserem Alltag erschlagen. Wir sind einfach überfordert. Du mußt das, du mußt hier und irgendwann denkt man sich einfach: Leck mich am Arsch. Ich gönn mir jetzt! Das ist mit ein Grund dafür, dass es Deutschland ca. 8 mio. Menschen gibt, die Alkohol in einem so ungesundem Maß konsumieren, dass es bedenklich ist. Genau wie der übermäßige Konsum von Fernsehen oder Streaming Anbietern. Ich schaue oft nen Film und bin gleichzeitig am Handy, bekomme von beidem Nichts mit. Meine Frau sagt immer ich lasse mich dann so „berieseln“. Als Konsument nutze ich soziale Medien auf jeden Fall falsch.

Du warst ja mit 21 schon im Knast. Wo kommt dieses rasante Tempo her? Auch vom Unfall?

Ein großes Problem waren natürlich die fehlenden Jahre aber auch, dass ich immer Außenseiter war. Das konnte nicht mein Leben sein. Saufen und Kiffen hat mich nie interessiert aber dann kann das Speed und wie du weiß hat ja jede Droge eine Funktion. Speed hat mich , genau wie Crystal, gepusht und auf einmal war der kleine, gemobbte Dominik ein Superheld. Das war ich voll am Start. Durch die Droge bin ich aber völlig größenwahnsinnig geworden. Am Anfang wollte ich Freunde finden und irgendwann wollte ich der bChef einer Bande sein. Hab mir dann Leute gesucht, die Außenseiter und Spasstis waren, die unter Drogen gesetzt und hatte dann meine Bande. Ich muss dazu sagen, ich war einfach nur hart verstrahlt. Ich bin kein Gangster gewesen sondern nur ein Junge mit zu viel Pulver der versucht sich seine eigene Welt zu bauen. Es war richtig mich einzusperren denn ich wollte mit dem Drogengeld zu Beginn etwas Gutes tun z.B. die Firma von meinem Papa retten aber dann bin ich langsam frei gedreht.

Wie hat deine Familie reagiert als du verurteilt wurdest?

Ich hatte ja zu Beginn gute Absichten nur leider wurde ich zu einem Geldgeilen Arschloch. Ich hätte wahrscheinlich meine eigene Mutter verkauft um Geld zu machen. Alles cool, alles unter Kontrolle hab ich immer gedacht und dann ist irgendwann das SEK bei uns eingeritten mit 12 Mann. Ich war nicht anwesend, konnte es kaum realisieren und bin dann aber erstmal auf Flucht gewesen. Als ich Kontakt zu meinem Anwalt hatte meinte der nur: OK 1,5 KG Speed sind nach Erwachsenenstrafrecht 5 Jahre. In dem Moment wurde mir erstmal so richtig bewusst was hier überhaupt abgeht. Du kommst jetzt wirklich ins Gefängnis. Ich rief dann von meinem Anwalt aus meine Mama zu Hause an und hab es ihr gebeichtet. Sie brach in Tränen aus, ich auch aber im Anschluss habe ich mich gestellt. Dann ab zur Wache und ab dem Moment bist du kein Mensch mehr sondern nur noch eine Nummer.

Erinnerst du dich an das Gefühl als du es deiner Mama erzählt hast?

Es war so unfassbar beklemmend als würde sich Alles zusammenziehen, die Luft blieb mir weg, mir wurde regelrecht der Boden unter den Füßen weggezogen. Das war der Beginn meiner Paranoia-Anfälle.

Wie war deine Zeit im Knast?

Es gibt da zwei Aspekte. Einmal die verdammt viele Zeit, welche du mit dir alleine und deinen Gedanken klarkommen musst. Das sind ca. 23 Stunden auf Zelle. Dann die Mitgefangenen. Das sind teilweise richtige Psychopaten. Wenn du die Leute hörst, wie sie ihre Hände an und Köpfe an den Zellenwänden kaputtschlagen, das ist geistige Vergewaltigung. Du denkst du hast alles in deinem Leben zerstört und das fickt dich schon aber dann ist Aufschluss. Der Aufschluss ist dafür gedacht, dass die Gefangenen sich mal ne Stunde am Tag bewegen können und mit den Anderen reden können. Wie gesagt sind die Mitgefangenen aber teilweise Psycho´s. Die kommen zu dir auf Zelle und zwingen dich deine eigene Scheiße zu fressen und dir den Rücken mit selbstgebastelten Messern zerschneiden. Lässt du das mit dir machen, dann kommen die jeden Tag wieder und misshandeln dich so lange und so heftig bis du dir etwas antust oder sie dich vielleicht totschlagen. Deswegen wollte ich mich erhängen.

Kommt deine posttraumatische Belastungsstörung her?

Ja die habe ich seit dem. Das ist mein Flashback. Es ist nicht mehr so schlimm wie früher aber die Krankheit geht nicht weg. Ich habe Trauma-Therapie gemacht bei der Mudra Drogenhilfe in Nürnberg. Die haben mir sehr geholfen weil ich teilweise, und ich weiß es ist schwer vorstellbar, die Augen geöffnet habe und auf einmal nicht wusste wo ich bin und wie ich dorthin gekommen bin (Dieser posttraumatische Film). Dort habe ich mich auf jeden Fall öffnen können und habe der Therapeutin erzählt mit was für Menschen ich zu tun hatte, dass zum Beispiel der eine seine Mutter mit der Axt zerstückelt hat. Selbst die Therapeutin brauchte da erstmal ne Pause. Da war ich erstmal perplex. Die Therapie war aber gut, die konnten mir gut helfen. Die waren die ersten die mir nicht gezeigt haben, dass ich einen an der Klatsche hab. Ich mein das weiß ich selbst aber „normale“ Menschen haben mich immer angeguckt als wäre ich der übelste Psychopath. Hätten die mir nicht geholfen, wäre ich heute nicht mehr am Leben. Heute habe ich auch noch Panikattacken aber zum Glück selten.

Weil du dir dachtest die Welt wäre besser wenn du nicht mehr da bist?

Ja so in die Richtung. Viele sagen immer: Du hast so ne krasse Geschichte aber das finde ich gar nicht so sehr. Klar waren da harte Sachen dabei aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass nach meinen Flashback – Vorträgen in den Schulen kommen die Kids zu mir, erzählen mir ihre Storys und dort sind so heftige Sachen dabei. Eltern die ihren Kindern androhen sie würden Suizid betreiben wenn die Kids sie nicht unterstützen und solche Geschichten. Wie sollen diese Jugendlichen unbeschwert ein eigenständiges Leben leben dürfen? Jeder der Drogen genommen hat kennt doch auch die Gedanken, gerade wenn man mal zu viel von einer Substanz drin hat, dass es einfach besser wäre wenn man nicht mehr da ist.

Was ist das Projekt: Über den Berg?

Mir hat das Projekt sehr geholfen. Ein ganz besonderer Sozialarbeiter (Norbert Wittmann), bald bei mir im Podcast, war der erste der mir zeigte das ich was machen muss. Er hat mich auf eine Expedition mitgenommen. Wir wanderten von Deutschland nach Italien über die Alpen. Auf dem Weg hat er mir beigebracht, dass es Dinge im Leben gibt für die es sich zu leben und zu kämpfen lohnt. Zu einer Zeit wo ich von jedem nur Ablehnung bekommen hab. Kurzer Flashback, du musst dir vorstellen, dass ich zu dieser Zeit 500 Bewerbungen geschrieben habe, keiner wollte mich. Ich war obdachlos und er nahm mich mit auf so eine Reise. Norbert ist nicht einfach nur ein Sozialarbeiter. Der lebt das Ding vom Herzen. Das hat mich so motiviert das ich weiter gemacht habe. Ich habe in diesem Projekt gelernt:

EGAL WIE WEIT DEIN ZIEL ENTFERNT IST. WENN DU EINEN SCHRITT NACH DEM ANDEREN MACHST, WIRST DU DEIN ZIEL ERREICHEN!

Norbert Wittmann

Was ist denn das Raketenprinzip?

In meinem Program Flashback erkläre ich das ganz genau. Beim Suchtprinzip geht es darum, dass es leider für jeden die perfekte Droge gibt. Wenn du diese Droge gefunden hast, kann ja auch Speed, Nikotin oder Alkohol sein, dann ist das als ob du die Rakete startest. Sie schießt in den Himmel und nix kann sie aufhalten bis sie explodiert und du weißt sie wird explodieren. Sobald das Geschehen ist befindest du dich in diesem Absturz. Am Ende ist für jeden klar: Hier ist Ende und nur noch die Trümmer sind übrig. Das Problem ist das meistens nur nicht süchtige Menschen diesen Verlauf erkennen können. Wenn du süchtig bist erkennst du den Höhepunkt der Flugbahn einfach nicht mehr weil deine Wahrnehmung verzerrt ist. Du erkennst gar nicht, dass du schon explodiert bist.

Wie soll dein Programm Flashback weiter gehen?

Ich habe ein Ziel, mein Flashback größer machen. Vor 1000 Schülern habe ich schon vortragen dürfen und das funktioniert. Natürlich werde ich aber weiter in den Schulen unterwegs sein. Ein richtigen Hype kreieren, dass wäre sehr cool!

Wenn du dich in der Vergangenheit anrufen könntest, wann wäre das und was würdest du dir sagen?

Ich würde mein 13 Jährigem ich anrufen und ihm sagen, dass niemand vor hat süchtig zu werden. Es gibt kein Besseres Gefühl als nüchtern zu sein und wenn du nicht weißt wie sich Rausch anfühlt, kannst du ihn nicht vermissen.

Was möchtest du den Hörern von Sucht und Ordnung mit auf den Weg geben?

Es gibt kein besseres Gefühl als Bock auf sein Leben zu haben. Lebe dein Leben so, dass du da Bock drauf hast, dann ist es das intensivste High das es gibt!

Dominik, ich danke dir von ganzem Herzen. Schön, dass du Gast warst und ich freue mich jetzt schon auf eine weitere Kooperation.

Hier gehts zu Dominiks Webseite und seinem Program Flashback:

Wenn dir dieser Drugtalk gefallen hat, dann lass mir gerne ein Feedback hier. Ich wünsche dir einen tollen Tag.

Ciao , dein Roman

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