Codein - Drugtalk Julio

#9 Codein – Drugtalk mit Julio

Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge Sucht und Ordnung. Mein heutiger Gast ist Julio, er ist 27 Jahre alt und ein ehemaliger Arbeitskollege. Wir beide haben zusammen im Vertrieb gearbeitet für ein großes Telekommunikationsunternehmen. Er hat Gras, Testo, Codein und Kokain konsumiert.

Wie bist du zu Drogen gekommen?

Ich habe gekifft schon seitdem ich mich erinnern kann. Mit ca. 16 Jahren habe ich angefangen, habe aber auch öfter mal Pausen gemacht. Mein Problem ist es, ein Maß zu finden. Ich bin, was Drogen angeht, ein ganz oder gar nicht Mensch. Das erste Mal wurde ich in der siebten Klasse dazu genötigt einen Kopf zu rauchen, hab aber wie so Viele, beim ersten Mal nichts gemerkt. Ein anderes Mal allerdings vor der Schule hab ich einen Joint geraucht und würde ich als mein schönstes High-Erlebnis beschreiben, welchem ich danach gefühlt immer hinterher gerannt bin und so nie wieder erlebt habe. Danach wurde es irgendwann halt Gewohnheit.

Aus Rap-Videos habe ich von Codein erfahren, dass war der einzige Grund, warum es damals für mich interessant war. Der lila Hustensaft. Ich habe mich übers Internet informiert nach was ich bei Codein genau suchen musste und heraus gefunden das ich mir Triasolmite besorgen musste. Das habe ich dann mit Sprite gemischt, schmeckt richtig lecker, wie Himbeere mit Sprite. Das fühlt sich dann an als würde man in Watte gepackt werden.

Man träumt ohne zu schlafen und irgendwann schläft man bei Codein einfach ein und träumt die ganze Zeit egal wie viel man kifft. Ich hab Codein und Morphium-Tabletten maximal 1 ½ Wochen am Stück genommen. Und wenn man das absetzt, ist das nicht im Ansatz vergleichbar mit Alkohol, Zigaretten, Gras oder Kokain. Vom Codein bin ich nachts wach geworden mit Krämpfen, das war der absolute Horror. Es war der erste wirkliche körperliche Entzug den ich jemals machen musste.

Was hat Testo mit dir gemacht?

Ich habe mit 17 viel trainiert und Testo ausprobiert. Allerdings egal ob nur auf natürlichen Weg oder mit Hilfsmitteln, dieses Spiel ist nicht loyal. Nach 2-3 Monaten ohne Training ist alles weg. Einige Zeit später habe ich nochmal angefangen, hatte allerdings keine Lust wieder 2 Jahre ohne Testosteron zu trainieren. So habe ich mir Welches verschreiben lassen und innerhalb von 2 ½ Monaten hab ich das Ergebnis von damals, das waren 2 Jahren auf natürlichem Weg, übertrumpft. Testo hat sich auch sehr positiv auf meine Stimmung ausgewirkt.

Man steht so ein bisschen über den Dingen. Akne aber beispielsweise war eine negative Nebenwirkung vom Dauerkonsum des Testosteron. Und ich spreche da nicht von ein paar Pickeln, ich spreche von Blutflecken die, bei den kleinsten Bewegungen, geplatzt sind. Ich hatte zwar einen mega geilen Körper aber konnte mich halt nie oben ohne zeigen. Dafür hatte ich starke Aggressionen, nicht im überzogenen Maße. Allerdings habe ich mir dann online Trenbolon bestellt und dann hatte ich gar keine Zündschnur mehr. Ich bin sofort ausgerastet. Wenn ich beim Autofahren z.B. sauer wurde, habe ich solange gegen die Decke gehauen bis meine Hand blutig war. Ich warne daher dringend davor Trenbolon zu konsumieren.

Was war deine Lieblingsdroge?

Es gab immer Lieblingszeiträume, wo mir eine Substanz am Liebsten war. Aktuell ist es Codein aber Koks z.B. hab ich gerne zum Vögeln benutzt. Sehr oft habe ich mit meinen Tinderdates gezogen und die dann auf der Rückbank gevögelt. Auf Koks hat man keine Hemmungen mehr, man geht seinen niedersten Instinkten nach. Ich fand diese Sexfilme geil, aber Alles was danach kam, waren oft die schlimmsten Stunden meines Lebens. Das Runterkommen war das Beschissenste überhaupt. Auch gerade in der Kombination mit Cannabis. Ich weiß nicht wie oft ich knapp an einer Psychose vorbei geschlittert bin oder vielleicht sogar eine mitgetragen habe. Welche Folgen der Konsum nachhaltig hat, das weiß man als User einfach nicht. Meine Lieblingsdroge wenn ich mich festlegen muss, ist aber Codein mit bisschen THC. Gibt nichts Schöneres.

Kann man jemals drogenfrei leben?

Wenn man es wirklich will, kann man das. Das muss man fühlen und nicht einfach sagen ich möchte nicht mehr. Ich könnte auch drogenfrei bleiben auf eine unbestimmte Zeit. Aber ich möchte mir keine Vorschriften machen. Man bemuttert sich dann selbst und gibt sich selbst zu verstehen, dass man nicht stark genug ist.

Ich habe meiner Therapeutin gesagt mein Ziel ist es nicht, auf ewig drogenfrei zu sein sondern das ich einen verantwortungsvollen Umgang damit lerne. Ich liebe einfach den Rausch und jeder Mensch hat meiner Meinung nach, ein Recht auf Rausch.

Leute die nicht genügend Möglichkeiten haben sich anderweitig einen Rausch zu holen, sind anfälliger für Drogen. Ich habe sonst auch gerade Nichts. Nur mein Kopf kann mich davon abhalten und darauf bin ich aktuell sehr stolz.

Wie gehst du mit Rückfällen um und was rätst du Leuten wie sie mit Rückfällen umgehen sollten?

Bloß nicht verzweifeln. Wenn man sich sagt ich bin so ein Loser usw. dann landet man wieder in so einer Endlosschleife. Man sagt sich dann ich bin so schwach ich werde es auch in der Zukunft nicht schaffen, das ist ganz sicherlich nicht förderlich. Bei meinem letzten Rückfall, hab ich mir richtig krasses Weed bestellt für 70,-€ das Gramm. Ich war aber bis dahin 1 Monat clean und hatte das schon vorher bezahlt. Ich hab mir dann abends einen Joint gedreht und nach 2 Zügen hatte ich so krasse Paranoia dass ich das Gras direkt im Klo runter gespült habe, weil ich mich so schlecht wegen dem Konsum gefühlt habe. Das Wegschmeißen hat in mir ein befreiendes Gefühl ausgelöst. Mein Freundeskreis ist relativ drogenfrei, was sicherlich einen guten Effekt hat. Und auch auf Arbeit ballern nicht mehr so Viele wie zu früheren Zeiten.

Wie stehst du zu Mischkonsum?

Ich war vor ein paar Monaten auf einer Party und hatte bewusst an dem Abend koksen und Trinken wollen. Hab ich auch gemacht. Nach 2 Kapseln Koka allerdings konnte ich natürlich nicht schlafen und habe mir dann Gras und Morphium-Tabletten zum Runterkommen geholt. Das war für mich der Beweis dass es noch keinen geregelten Konsum bei mir gibt. Und daher habe ich sowie ich die Reißleine gezogen. Ansonsten halt wie oben schon erwähnt Codein mit Cannabis.

Was hat der Drogenkonsum zerstört?

Eine Beziehung mit einer wundervollen Frau hat es zerstört. Frauen die einen wegen Kokain sitzen lassen, das sind die Richtigen. Oder es gibt eben die Variante dass man die Frau schon länger kennt und sie einem da durch hilft. Den Körper kann man weitestgehend durch Sport und gesunde Ernährung und vieles mehr wieder reparieren. Aber zwischenmenschliche Beziehungen sind nicht so einfach wieder zusammenzuflicken. Das hat mir sehr zugesetzt.

Wie hat deine Familie reagiert?

Ich habe meiner Familie von meinem Suchtproblem erzählt, aber ich hatte das Gefühl das sie nur schockiert getan haben und mich eigentlich mehr nieder gemacht haben. Sie waren in keiner Form unterstützend. Das ist natürlich das Letzte was man in so einer Situation gebrauchen kann. Das hat meiner Meinung nach Einiges kaputt gemacht. Auch wenn die Drogensucht vielleicht nicht der richtige Auslöser ist, aber in solchen Situationen erkennt man wem man wirklich wichtig ist. Und wen man aus seinem Leben streichen kann.

Aktuell konsumiere ich nicht mehr, außer Zigaretten und ab und zu ein Bier. Ich warne nochmal explizit mit einer Geschichte vor Codein. Denn das ist kein Witz das man davon sterben kann. Ich habe quasi geschlafen und war in meinem Traum unter Wasser und merkte dann dass ich keine Luft mehr bekomme. Da ich ja unter Wasser war konnte ich auch keine Luft holen. Ich bin dann zum Glück aufgewacht und war kurz vorm Ersticken. Es ist kein Witz und eine häufige Todesursache beim Konsum von Codein, die Atmung wird oft durch die Wirkung gelähmt. Passt da bitte besonders auf!

Ich habe solche Erfahrungen einmal mit Dingern, also Extasy´s, gehabt. Damals habe ich 2 rote gesprenkelte Kronen gleichzeitig genommen und konnte auf einmal nicht mehr atmen. so ca. 1,5 Minuten lang. Das war ein krasser Moment in meinem Leben.

Was möchtest du den Hörern mit auf den Weg geben?

Jeder sollte das machen worauf er Bock hat, und nicht konsumieren weil Andere es machen. Fühl dich wohl damit, belüge dich nie selbst und hinterfrage dein Verhalten und Umgang mit Drogen. WILL ich das? Will ICH das? Will ich DAS? Stellt euch diese Frage.

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